Gabi  |  Loslassen und nach vorne schauen

Die liebe Gabi kenne ich seit rund 3 Jahren, sie ist mir eine sehr wichtige Begleitung in meinem Leben geworden.

Ich durfte Gabi zu Hause und in ihrem wunderschönen Garten zum Gespräch besuchen.

 

Ich war in den 1990er und Anfang des neuen Jahrtausends recht erfolgreich mit einem Kinderschuhgeschäft und als Ratsfrau in der Kommunalpolitik. Man kann sagen, dass ich ein unbeschwertes Leben führte und die Dinge machte, die mir wichtig waren und mich ausfüllten.

 

Mein Mann war Richter und wurde nach der Wende in den Osten Deutschlands beordert um dort beim Aufbau von Verwaltungsgerichten zu helfen. Letztendlich blieb er dort und wurde Staatssekretär im Justizministerium. Während dieser Zeit sahen wir uns höchstens an den Wochenenden. Wir haben uns über die Jahre auseinandergelebt und er kam nicht mal mehr über die Weihnachtsfeiertage nach Hause.

 

Es kam wie es kommen musste – nach einiger Zeit erfuhr ich, dass mein Mann ein massives Problem mit Alkohol bekommen hatte. Mein Vater und ich holten ihn nach Hause und brachten ihn zur Entgiftungskur – doch leider wurde er kurz danach schon wieder rückfällig. Es folgten einige harte Jahre mit immer neuen Hochs und Tiefs. Irgendwann trafen wir die Entscheidung, dass wir unter diesen Umständen nicht mehr zusammen leben wollten und er zog in eine andere Wohnung, in der ich ihn versorgte.

 

Dort stürzte er eines Nachts so unglücklich gegen eine Tür, dass er sich dabei schwer an einem Auge verletzte. Die Ärzte stellten eine Entzündung hinter dem Auge fest, die sein Hirn bedrohte. Da musste ich die wohl schlimmste Entscheidung meines Lebens treffen – die Ärzte wollten sein Auge entfernen und brauchten mein Einverständnis. Ich habe seine wunderschönen Augen so sehr geliebt...

Nach der Operation musste er in ein Pflegeheim. Er war nicht mehr bei vollem Bewußtsein, erkannte uns nicht mehr. Nach einem Sturz aus seinem Bett wurde er in ein Krankenhaus verlegt. Ich erinnere mich noch, wie er gestrahlt hat, als mein Sohn und ich ihn dort besucht haben ... In der Nacht ist er verstorben ...

 

Ich bin aus dem Rat ausgeschieden, nachdem mein Sohn in der Schule Probleme bekam und mit meinem Laden bin ich in die Insolvenz gerutscht. Die viele Probleme und Sorgen haben mir den Boden unter den Füssen weggerissen ... plötzlich war alles weg. In den schlimmsten Zeiten habe ich Briefumschläge für die jeweilige Woche mit jeweils 50 € bereit gestellt um meine bescheiden gewordenen Mittel genau aufteilen und überwachen zu können.

 

Zum Glück hatte ich während meiner Insolvenz und vor allem nach dem Tod meines Mannes wunderbare Freundinnen an meiner Seite, die mich unterstützt haben wo sie nur konnten: juristisch während meiner Insolvenz, beim Sortieren wichtiger Papiere und Unterlagen meines Mannes, denn ich war psychisch nicht in der Lage dies alleine zu schaffen.

Fünf Jahre später war ich endlich raus aus der Insolvenz - und ich habe noch ein weiteres Jahr gebraucht , um das wirklich zu begreifen.

 

Heute kann ich sagen, dass ich mich so richtig glücklich und befreit fühle!

 

Das heißt, Dein Focus on the Good war es, nach vorne zu schauen?

Ich musste erst lernen, loszulassen - um dann wieder mutig nach vorne schauen zu können, an mich zu glauben und dadurch bewusster durch meinen Tag und durch mein Leben zu gehen.

 

Ich weiss, dass jede einzelne dieser Erfahrungen unglaublich wertvoll war und mich auf meinem Weg dahin, wo ich heute stehe, gestärkt und geerdet hat. Um das zu verstehen habe ich eben ein paar Jahre gebraucht - die wöchentlichen Geldumschläge benutze ich übrigens immer noch.

 

Ich denke heute bewusster über alles nach, nehme mein Leben selbst in die Hand, fühle das Leben und mich selbst intensiver- ich bin endlich ganz bei mir angekommen.

 

Was mir dabei geholfen hat, war auf meinen Bauch zu hören und das Vertrauen in mich, egal was kommt "das schaffst du auch"!

Ich möchte mich gerne an erster Stelle bei meinem Sohn bedanken - für seine Stärke und sein Verständnis und dass er in den schwersten Stunden immer an meiner Seite war. Außerdem bei meiner Familie und meinen tollen Freundinnen, auf die ich zu jeder Zeit bauen konnte.

 

Liebe Gabi, ich danke Dir sehr für das Gespräch

 

 

 

 

 


 

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