Claudia | Was ist wunderschön in diesem Augenblick?

Claudia kenne ich seit gut 2 Jahren, nicht zuletzt war sie mir eine sehr große und wichtige Unterstützung in einem Kurs, den wir gemeinsam belegt hatten.

Für mein Projekt habe ich sie bei ihr zu Hause besucht.

 

 

 

 

Im April 2016 bin ich direkt vor meiner Haustür unglücklich auf den rutschigen Pflastersteinen ausgerutscht und gestürzt. Ich wurde mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht, wo ich dann erfuhr, dass ich ein künstliches Hüftgelenk bekommen werde. Die ganze Geschichte sollte wohl eine Herausforderung des Lebens an mich werden, ob ich die Werte, die ich in meiner Arbeit unterrichte, auch wirklich leben kann...

Noch als ich am Boden lag, fiel mir ein Gedanke ein, der mich wenige Zeit vorher bei einem Seminar geprägt hatte:

 

"Was ist wunderschön in diesem Augenblick?"


Diese Frage ist so gemeint, dass egal wie schwer die Zeit gerade ist, man sich fragen soll, was denn das 'Gute' in der Situation gerade ist. So lag ich da am Boden, hatte unglaubliche Schmerzen - und stellte mir eben diese Frage. Da waren meine Lebensgefährtin und mein Nachbar, die sehr schnell zur Stelle waren. Sie riefen auch den Krankenwagen. Während der Fahrt ins Krankenhaus konnte ich durch das kleine Fenster den blauen Himmel sehen. So habe ich es geschafft, meine innere Balance wieder herzustellen. Ich habe nur so viel Leid zugelassen wie es möglich war, Glück zu empfinden.

 

Bei der Operation fühlte ich mich an meine Mandel-OP mit 9 Jahren erinnert. Damals konnte meine Mutter in einem entscheidenden Moment nicht da sein - und bei der Hüft-OP musste meine Lebensgefährtin noch etwas im Auto holen gehen - und so war auch sie nicht im Zimmer als ich abgeholt wurde.

Die Zeit im Krankenhaus hat mich dann auch sehr gefordert. Ich erinnere mich, dass meine Lebensgefährtin an einem Wochenende mit einem befreundeten Paar ausging. Der Termin stand schon länger fest, ursprünglich sollte ich dabei sein. Diese Gewissheit hat mich dann sehr traurig gemacht. Mir wurde schlagartig bewusst, wie abhängig ich jetzt geworden war. In den 3 Wochen, die ich im Krankenhaus gelegen habe, hatte ich sehr wenig Besuch von Freunden. Die Schmerzen waren teilweise unerträglich - und nur das Morphium konnte mir diese Schmerzen noch erträglich machen.

 

Und da lag ich dann mit meiner Frage "Was ist wunderschön in diesem Augenblick?"

Da war die nette Krankenschwester, die mir eine dicke Decke unter die Beine gelegt hat, weil meine Fersen schmerzten. Ich spürte Dankbarkeit für unser Gesundheitssystem, das es mir erlaubte, hier so gut umsorgt zu werden.


Ich hatte zum Glück eine scharfe Wahrnehmung, welche Gedanken mir gerade gut tun, und welche mir schaden. Ich lernte noch stärker, wertzuschätzen, was gerade ist.

Nach der OP und meinem Krankenhausaufenthalt ging es zur Genesung nach Hause. Ich fühlte mich sehr unsicher vor der Heimkehr. Meine gewohnten Bewegungsabläufe musste ich zumindest zeitweise aufgeben. Das WC im Erdgeschoss und das Schlafzimmer im Obergeschoss stellen da schon eine Herausforderung dar. Allerdings erlangte ich zu Hause wieder viel Gesundungsenergie.

Ich übte mich in achtsamem Gehen. Hob die Füße beim Gehen höher als sonst. Achtete auf eine möglichst gleiche Schrittlänge. Ich trainierte ziemlich hart um schnellstmöglich genesen zu können.

Bei der Nachuntersuchung meinte der Arzt dann, ich sei überlastet. Ich hatte übertrieben. Ich hatte vergessen, dass zur Genesung auch Pausen wichtig sind. Innehalten und Spüren, was der Körper gerade braucht.

 

Ich fasste ein Ziel ins Auge. Ich wollte eine Radtour entlang der Elbe unternehmen - noch in diesem Jahr! Ich habe mit Hilfe eines Kurses jeden Tag 3 Handlungen für dieses Ziel gemacht, habe jeden Tag in mich hinein gespürt, was ich denn gerade brauche, um dieses Ziel zu erreichen. Langsam aber stetig wuchs in mir die Kraft und der Willen, dieses Ziel zu erreichen.

 

Ich habe dem Leben Vertrauen geschenkt und gefragt "Liebes Leben, was willst Du mir mit diesem Unfall sagen?" Und ich fühle eine heilige, heilende Energie wie ein strahlendes Licht, das in mich strömt...

Liebe Claudia, ich danke Dir sehr für das Gespräch

 

www.quelle-der-achtsamkeit.eu

 

 

 

 

 


 

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